Quintana kommt in die Euregio: Gibt's den ersten kolumbianischen TotA-Triumph?

Am kommenden Montag steigt Nairo Quintana in Brixen erstmals bei der Tour of the Alps in den Sattel. Der Kapitän des Teams Arkéa-Samsic gehört beim grenzüberschreitenden Etappenrennen zum engsten Favoritenkreis und könnte die vom GS Alto Garda veranstaltete Rundfahrt als erster Kolumbianer überhaupt für sich entscheiden

Quintana fühlt sich dann am wohlsten, wenn es steil bergauf geht – daher verwundert es kaum, dass der Kletterspezialist die Tour of the Alps in seine Saisonplanung eingebaut hat. Obwohl der Kolumbianer die Strecken der Rundfahrt als Debütant kaum kennt, gehört er dennoch zu den heißesten Anwärtern im Kampf um das Grüne Trikot. Ab Montag, 19. April jagt das Leichtgewicht vom Team Arkéa-Samsic den Gesamtsieg beim fünftägigen Etappenrennen des GS Alto Garda.

Bislang ist es noch keinem Kolumbianer gelungen, die Tour of the Alps für sich zu entscheiden. Allein das ist eine Notiz wert – die Rundfahrt hat nämlich seit jeher Klettern zu seinem Lebensstil gemacht und wäre damit prädestiniert für die traditionell starken Bergfahrer aus Südamerika. 2018 schrammte Miguel Angel Lopez am Gesamtsieg um ein Haar vorbei, als er sich bei der Bergankunft in Pampeago durchsetzte und in der Folge Dritter der Gesamtwertung wurde. 1996 belegte Nelson „Cacaito“ Rodriguez beim Giro del Trentino, dem Vorgänger der TotA, ebenfalls Platz drei – er verpasste den ersten Rang um die Winzigkeit von vier Sekunden und musste dem Gesamtsieger Wladimir Belli knapp den Vortritt lassen.

Quintana hat einen Triumph beim Giro d’Italia (2014) sowie einen Sieg bei der Vuelta a España (2016) vorzuweisen und gehört seit über einem Jahrzehnt zu den besten Kletterern der Welt. Dass der 31-Jährige damit für viele Experten als Kandidat für den Gesamtsieg bei der Tour of the Alps gilt, erklärt sich fast von selbst. Das Etappenrennen in den drei Euregio-Gebieten ist wie gemacht für einen explosiven Bergfahrer wie Quintana – ein Erfolgserlebnis auf dem Weg hin zu seinem nächsten Angriff auf den Gesamtsieg bei der Tour de France würde dem „Condor“ in jedem Fall guttun.

Das Team Arkéa-Samsic ist bei der Tour of the Alps mit einer Reihe von Kletterspezialisten vertreten. Das starke Aufgebot ist ein deutliches Zeichen in Richtung Konkurrenz und beweist gleichzeitig, dass Quintana die Rundfahrt sehr ernst nimmt und sie nicht nur als kurzen Zwischenstopp im Hinblick auf die Tour de France sieht. Sein jüngerer Bruder Dayer sowie Winner Anacona (ebenfalls aus Kolumbien) werden ihrem Kapitän vom 19. bis 23. April in der Alpenregion den Rücken freihalten und alles dafür tun, damit Quintana in seiner (noch) leeren Liste mit Saisonsiegen erstmals anschreiben kann.

Quintana weiß zudem, dass er in Kolumbien ein ganzes Land hinter sich hat, das bei Großereignissen stets leidenschaftlich mit seinen Helden mitfiebert. Neben dem Giro-Sieger von 2014 sind mit Daniel Martinez und Ivan Ramiro Sosa vom Team Ineos Granadiers zwei weitere namhafte Kolumbianer bei der Tour of the Alps mit dabei. Gespannt sein darf man auch auf Santiago Umba vom Team Androni Giocattoli-Sidermec, der von Gianni Savio entdeckt wurde und sich bereits im zarten Alter von 18 Jahren dazu aufmacht, in die Fußstapfen von Egan Bernal zu treten.

Im Laufe des gestrigen Tages hat mit dem Team Vini Zabù die erste Mannschaft ihre Teilnahme an der Tour of the Alps zurückgezogen. Die italienische Formation wird nicht nur auf die grenzüberschreitende Rundfahrt, sondern auch auf den Giro d’Italia verzichten. Somit gehen am kommenden Montag in Brixen 21 Mannschaften, darunter 13 aus der Kategorie UCI World Tour, an den Start.